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Der Kahle Asten

Früher hielt man den Kahlen Asten (841 Meter) für die höchste Erhebung Westfalens, bis genauere Vermessungen nach 1900 ergaben, daß ihn der nahe Langenberg auf der Grenze zu Hessen um ganze zwei Meter überragt. Dennoch gilt der Kahle Asten nach wie vor als Mittelpunkt des Sauerlandes und als "Berg der Berge" in dieser Region. Sternförmig ziehen von hier die Höhenzüge in alle Himmelsrichtungen, getrennt durch bedeutende Flußläufe, die auf dem Kahlen Asten oder in seiner unmittelbaren Umgebung entspringen (z. B. Lenne, Ruhr, Nuhne und Orke). Eine weitere Besonderheit ist die Hochheide auf seinem Gipfelplateau, die den Beinamen "Kahl" zu unterstreichen scheint. Ob diese "Kahlheit" des Astenplateaus natürliche Ursachen hat oder auf Eingriffe der Menschen zurückgeht, darüber sind sich die Wissenschaftler keineswegs einig. Unstrittig ist indes die Herkunft des Namens: Astenberg bedeutet Wasserberg (von Asan = Wasser), was nicht nur auf die zahlreichen Quellflüsse ringsum, sondern auch auf die hohe jährliche Niederschlagsmenge hinweist. Mit 1523 Millimeter im Jahr erreicht der Kahle Asten den Spitzenwert in Nordrhein-Westfalen. Andererseits zählt das Astengebiet zu den schneesichersten Wintersportplätzen im Sauerland.

Was dem Kahlen Asten fehlt, ist eine markante Gipfelform. Aus diesem Grund trug man sich bereits 1843 mit dem Gedanken an einen Turmbau. Zwar genehmigte Friedrich Wilhelm IV. grundsätzlich das Vorhaben, weil der König aber lieber eine Säule gesehen hätte, wurde die Sache zunächst nicht weiter verfolgt. Erst nach der Reichsgründung 1871 kam man auf die Pläne zurück. Die Grundsteinlegung erfolgte 1884, dann ging es mit dem Bau zügig voran, bis der auf 22 Meter angewachsene Turm kurz vor der Vollendung plötzlich einstürzte. Vier Jahre später unternahm man einen erneuten Anlauf. Diesmal mit mehr Glück, denn 1890 konnte die Fertigstellung des Turmes vermeldet werden. Seither erfuhr das Gebäude noch mehrere Veränderungen, unangetastet aber blieb die wichtige Aussichtsplattform. Leider ist für Fotografen der Blick nach draußen ins "Land der tausend Berge" nicht ungetrübt, denn die stets verschlossenen, zerkratzten Scheiben rufen unerwünschte Spiegelungen hervor. Auf dem namhaftesten Berg des Sauerlandes ist so etwas besonders ärgerlich. Das Panorama wäre es jedenfalls wert, festgehalten zu werden. Im Nordwesten sticht der Hunau mit seinem Fernsehturm hervor, im Nordosten erkennt man links des breitgelagerten Langenbergs die Bruchhauser Steine, ostwärts zeigen Schloßberg, Grimme und Boilerberg ihre markanten Silhouetten, und nach Südwesten erstrecken sich tief gestaffelt die Kämme des Rothaargebirges.

Im Sockel des Turms ist übrigens neben den Restaurants auch ein kleine Ausstellung untergebracht. Dort erfährt man unter anderem, daß der Astenberg im Mittelalter ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt war. Hier kreuzte die alten Heidenstraße von Köln nach Leipzig die aus dem Siegerland heraufziehende Eisenstraße. Wie ein Verkehrsknotenpunkt wirkt der Berg noch immer, angesichts der zahlreichen Besucher, die mit dem Auto oder per Bus bis zum Astenturm vorfahren. Zu Fuß kommen die wenigsten. Dabei gibt es markierte Strecken- und Rundwanderwege in großer Zahl.

 

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